Münster-Marathon -21.09.2025

Bericht von Johannes Arens

Bei der Wahl meines Herbsthöhepunktes für diese Saison kam es mir vor allem auf ein frühes Datum an - denn Mitte Oktober erwarten wir Nachwuchs (Mal wieder)! So fiel meine Wahl auf den Münster-Marathon, der neben seinem Septemberdatum noch einige andere Vorteile bietet, die ich schon von einem Start dort vor genau 10 Jahren kenne: Flache Strecke, gute Stimmung, Preisgeld für die ersten drei Deutschen, und Übernachtungsmöglichkeit vor Ort bei meiner Patentante. 
Ursprünglich war es mein Plan, meine 2:23er Bestzeit von 2021 anzugreifen, aber Umzug und Hausrenovierungen über nun schon mehrere Monate kosteten letztendlich etwas zuviel Zeit und Nerven für eine optimale Vorbereitung und die nötigen Umfänge. So blieb eine knappe sub-2:30 das bescheidenere, vermeintlich noch realistische Ziel, wie schon letztes Jahr in Hannover, wo das noch gut klappte (2:27), trotz anderer Probleme im Trainingsaufbau. Vielleicht würde etwas um 2:29 auch noch für die deutschen Top 3 reichen - bei meinem Start 2015 war ich mit 2:35 drittbester Deutscher in Münster, und durfte dafür 500 Euro mit nach Hause nehmen (sowie 400 Euro für die Studentenwertung). Aber inzwischen sind die Zeiten durch die Bank schneller geworden, v.a. dank der Carbonschuhe, und Student bin ich auch schon länger nicht mehr... 
Glücklicherweise fand sich für mich vom Start weg die perfekte Gruppe - sechs Kenianerinnen mit zwei männlichen Pacern, alle auf Kurs 2:29 - wunderbar! Ich ließ mich also mitziehen und etwas gegen den nicht unerheblichen Wind schützen, whrend wir die ersten 20km abspulten, größtenteils durch die Innenstadt. Nicht ganz so wunderbar war, dass sich das Tempo nie so richtig locker anfühlte, wie es das eigentlich sein sollte am Anfang eines Marathons. Uns so kam es denn, wie es wohl kommen musste: Als wir uns nach 20km auf noch windigere Landstraßen und Radwege begaben, konnte ich nicht mehr mithalten mit den Pacern und den Kenianerinnen (inzwischen nur noch zwei, nicht nur ich hatte meine Probleme...). Die Hälfte passierte ich noch in knapp unter 1:15, aber dann ging es bergab (leider nur mit den Zeiten und nicht auf der Strecke!). Aus konstanten Kilometern um 3:28-3:32 wurden 3:4x, und es wurde insgesamt recht zäh. 
Ich denke, dass sich hier nun aber meine inzwischen recht umfangreiche Erfahrung auszahlte - ich hatte erkannt, dass das sub-2:30er-Tempo heute nicht möglich war, hatte noch früh genug etwas herausgenommen, vermied aber damit einen starken Einbruch und kämpfte mich allein und noch relativ flott weiter durch. Tatsächlich ging es dann ab etwa km 30 sogar wieder etwas besser, die km-Zeiten wurden wieder etwas schneller, ich sammelte noch ein paar Läufer vor mir ein. 
Nun ging es auch wieder in die Stadt, und mit beachtlich vielen anfeuernden Zuschauern am Streckenrand brachte ich die letzten km auch noch irgendwie herum. Nach 2:31:56 war ich im Ziel - leider über 2:30, leider nur viertbester Deutscher (Platz 3 war 2:27 - keine Chance heute), aber doch noch ein solides Rennen, denke ich; und nebenbei auch klar schnell genug für die direkte Qualifikation für den London-Marathon, falls ich nächstes Frühjahr doch nochmal einen Angriff Richtung 2:20 starten will und kann...
Nun werden wir aber erst einmal den Umzug abschließen und das neue Baby willkommen heißen, dann geht es hoffentlich noch etwas fokussierter in den Aufbau für 2026, wo u.a. auch wieder eine 100km-WM ansteht (für die ich mich natürlich erst einmal wieder qualifizieren müsste). Zunächst werde ich mich dafür an mehr Höhenmeter im Training gewöhnen müssen, denn wo wir gerade hinziehen (Uplawmoor, ein kleines Örtchen südlich von Glasgow) gibt es in der malerischen Hügellandschaft quasi keinen flachen Meter - dafür umso mehr Regen und Wind, und Schnee im Winter. Hoffentlich gilt dafür das Diktum von Alexander Suworow: "Was im Training schwer ist, wird im Kampf leicht!" In diesem Sinne wünsche ich allerseits frohes Training und gelungene Herbstwettkämpfe!