Hochkönig Ultraks HK48: Ein Tag, an dem die Berge immer das letzte Wort haben......von Christian Müller
Es gibt Läufe, bei denen man am Ende auf die Uhr schaut und es gibt Läufe, bei denen man am Ende einfach nur froh ist, wieder geradeaus gehen zu können.
Die HK48 beim Hochkönig Ultraks gehört zweifellos zur zweiten Kategorie.
48 Kilometer und rund 3.000 Höhenmeter standen auf dem Programm. Eine Strecke, die auf dem Papier bereits Respekt einflößt. In der Realität wird daraus ein ganzer Tag voller kleiner Geschichten, großer Anstrengungen und unvergesslicher Momente.
Für mich begann das Abenteuer allerdings etwas früher als geplant. Bereits bei Kilometer zwei machte ich Bekanntschaft mit einer Weidenzauntreppe. Genauer gesagt, mit dem Boden dahinter. Ein kurzer Flug, einige Schrammen und Kratzer später war klar, dass der Tag zwar schmerzhaft, aber nicht vorzeitig beendet sein würde. Also aufstehen, Staub abklopfen und weiter.
Wenig später folgte das nächste Naturerlebnis. Ein Weidezaun verpasste mir einen elektrischen Denkzettel. Unter normalen Umständen wäre das vermutlich ärgerlich gewesen. Nach den ersten Anstiegen fühlte sich der Stromschlag allerdings fast wie eine zusätzliche Energiequelle an. Man nimmt unterwegs eben mit, was man bekommen kann.
Was die HK48 besonders macht, sind die gewaltigen Anstiege. Einer davon zieht sich über rund zwölf Kilometer und sammelt dabei etwa 1.350 Höhenmeter ein. Zahlen, die nüchtern betrachtet beeindruckend sind. Auf dem Trail fühlen sie sich vor allem endlos an.
Mit jedem Schritt bergauf verschwanden die Energiereserven ein Stück weiter. Die Hamstrings und Waden arbeiteten unermüdlich, während die Uhr gefühlt langsamer lief als sonst. Die beeindruckende Bergkulisse rund um Maria Alm, Dienten und den Hochkönig lenkte zwar immer wieder vom Leiden ab, konnte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier jeder Höhenmeter hart erarbeitet werden musste.
Genau das macht jedoch den Reiz solcher Veranstaltungen aus. Man kämpft nicht nur gegen die Strecke, sondern auch gegen sich selbst.
Unterwegs entstanden immer wieder interessante Gespräche mit anderen Teilnehmern. Trailrunning ist in dieser Hinsicht etwas Besonderes. Während auf der Straße häufig jeder für sich läuft, entstehen in den Bergen Begegnungen, die oft länger in Erinnerung bleiben als Zwischenzeiten oder Platzierungen. Gemeinsam wird gelitten, motiviert und gelegentlich auch gelacht.
Richtig unangenehm wurde es bei Kilometer 29.
Nach einem der extrem steilen Anstiege musste die Muskulatur beim Wiederanlaufen auf dem extrem technischen Trail plötzlich kapitulieren. Krämpfe schossen in die Beine und machten aus jedem Schritt eine kleine Herausforderung. Es dauerte eine Weile, bis wieder ein halbwegs flüssiger Rhythmus gefunden war.
Wer jetzt denkt, die Krise sei damit überstanden gewesen, unterschätzt die Hartnäckigkeit eines Ultratrails.
Bei Kilometer 38 meldeten sich die Krämpfe erneut zurück. Zu diesem Zeitpunkt waren die Berge längst nicht mehr Gegner, sondern Richter. Sie entschieden über Tempo, Rhythmus und Gemütszustand. Die einzige Antwort darauf lautete: Weiterlaufen.
Doch die Strecke hatte noch einen letzten Trumpf in der Hinterhand. Nach all den brutalen Uphills warteten zum Abschluss rund acht Kilometer bergab über technisch anspruchsvolle Trails, Waldwege und Forststraßen mit etwa 1.100 negativen Höhenmetern. Was zunächst nach einer Belohnung klingt, entpuppte sich schnell als letzte Prüfung des Tages. Während die Anstiege zuvor die hintere Oberschenkelmuskulatur leergeräumt hatten, nahmen die langen Downhills nun die Quadrizeps auseinander. Jeder Schritt wurde härter. Jeder Meter zog etwas mehr Kraft aus den Beinen. Gleichzeitig rückte das Ziel immer näher wo die Familie bereits auf mich wartete.
Und genau darin liegt die Magie solcher Veranstaltungen. Irgendwann verschwinden Pace, Zwischenzeiten und Platzierungen aus dem Kopf. Es geht nur noch darum, die Ziellinie zu erreichen.
Nach 8 Stunden und 36 Minuten war es schließlich geschafft.
Im Ziel überwog nicht die Erleichterung über die überstandenen Krämpfe. Nicht die Erinnerung an den Sturz. Nicht einmal die Begegnung mit dem Weidezaun unter Spannung. Es blieb vor allem die Erinnerung an eine hervorragend organisierte Veranstaltung, an spektakuläre Berglandschaften und Kulissen wie im Film, an die vielen Begegnungen unterwegs und an das besondere Gefühl, eine Strecke bewältigt zu haben, die einem alles abverlangt.
Die HK48 hat eindrucksvoll gezeigt, dass 48 Kilometer in den Alpen etwas völlig anderes sind als 48 Kilometer irgendwo sonst.
Und genau deshalb wird dieser Tag noch lange in Erinnerung bleiben.
https://laufteam.tg-kitzingen.de/fotoalben/hochkoenig-ultraks-07062026